Gibt es Öko-Dessous?

Die Textilindustrie gehört bekanntermaßen zu den großen Umweltverschmutzern. Belastete Abwässer, Monokulturen und der massive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind einige Probleme, die die Erzeugung von Textilrohstoffen mit sich bringt. Für die Verbraucher selbst ist vor allem die Belastung der Kleidung selbst von Bedeutung, denn bei der Produktion bleibt Manches hängen, was der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich ist. Gerade bei Unterwäsche sollte man deshalb vorsichtig sein, denn die Stoffe kommen direkt mit der Haut in Berührung.

Öko-Dessous sind kein Standard

Ganz allgemein lässt sich konstatieren, dass im Bereich großer Dessous-Marken noch nicht allzu viel ökologisches Bewusstsein vorhanden ist. So spielt zum Beispiel bei der beliebtesten Marke Deutschlands, bei Passionata Dessous, das Thema offensichtlich keine Rolle. Ein Grund mag sein, dass Ökodessous ein wenig sexy Klischee anhängt, das eher an kratzigen Jutebeutel als an verführerische Lingerie denken lässt. Nur vereinzelt ist hochwertige Wäsche mit dem Oekotex-Siegel gekennzeichnet, so zum Beispiel Calida Nachtwäsche auf Aphrodite-Dessous.de. Dabei ist das Thema virulent: Nur schwarze BHs der Serie Felina Moments enthielten im Unterschied zu zahlreichen Konkurrenzprodukten bei einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest keinerlei Schadstoffe.

Mehr als “Hübsche Höschen”

Selbstverständlich gibt es auch unter den Dessousherstellern besonders umweltbewusste Menschen. So gründete die britische Wäsche-Designerin Jenny White ihr Label Eco-Budoir, mit dem sie den Beweis antrat, fass auch Öko-Dessous sexy sein können. Um ihre Idee zu propagieren, rief White zudem die Kampagne „More than pretty knickers“ („mehr als hübsche Höschen“) ins Leben, über die sie auf die Umstände und Folgen der Herstellung von Standard-Dessous aufmerksam macht. Ihr Ziel: Das Bewusstsein der Käuferinnen zu ändern.

Dessous aus Bambus & Co.

Ein wichtiger Umstand sollte bei der Diskussion um Öko-Dessous nicht vernachlässigt werden: Auch ökologisch erzeugte Textilien bestehen heutzutage vor allem aus Baumwolle. Das Ausgangsmaterial kann im industriellen Maßstab in unseren Breitenraden nicht angebaut werden. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass nach einheimischen Alternativen gesucht wird, auch um die enormen Transportkosten (ökonomisch und ökologisch) zu reduzieren.
Hanf ist eine solche Alternative. Die Pflanze wächst hierzulande problemlos, ihre Verwendung wird allerdings durch die strikten Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes ausgebremst, die auch den „drogenfreien“ Nutzhanf einbeziehen. Viel leichter dürfte es hingegen sein, Flachs, aus dem jahrhundertelang Linnen hergestellt wurde, wieder an einzuführen oder zum Beispiel Zellulose aus Holzresten zu verarbeiten. Außerhalb Europas steht zum Beispiel Bambus als Fasermaterial zur Verfügung.

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